Away from all Suns – Fort von allen Sonnen

Isa Willinger (D 2013)

Montag 14. März 2016, 20:00 im Kino Gotthard Zug

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AWAY FROM ALL SUNS – FORT VON ALLEN SONNEN
von ISA WILLINGER

D 2013

Blueray, Color, 77 Min, R,E/d

Buch + Regie: Isa Willinger
Kamera: Kaspar Kaven, Anna Dashina
Schnitt: Frank Müller, Philipp Gromov
Mit: Donatas Grudovich, Vsevolod Kulish

Preise:
"Best Documentary" am Rome International Festival of Films on Art and Architecture 2014
"Best Documentary" am Istanbul Architecture and Urban Films Festival 2013
"Starter Filmpreis" für BR-Filmnachwuchs der Stadt München 2014
"Best Film on Architecture, Design and Territory" am ArtFilmFestival Asolo 2015

Im Jahre 1917 fand die Russische Oktoberrevolution statt: Die Bolschewiki errichteten unter Lenin und Trotzki die "Diktatur des Proletariats".
Auch Michael Gorbatchow feierte sie Jahrzehnte später noch: "Bei der Oktoberrevolution handelte es sich um eine Revolution des Volkes und für das Volk, für den Menschen, für seine Befreiung und Entwicklung."
In der Folge entstanden bis ca. 1935 viele Bauten, deren Stil , der "Konstruktivismus", als Wegbereiter der "architektonischen Moderne" gelten kann.
Diese Bauten wurden geplant und erstellt als Botschafter einer Idee, einer Utopie, einer sozialen Vision. Sie sollten helfen, die Ideen der Revolution in einer besseren, modernen Gesellschaft zu erfüllen, sollten Ausdruck sein eines neuen, freien Lebensgefühles.
Als der sovietische Staat in den Dreissigerjahren unter Stalin immer totalitärer wurde, geriet der Stil in Verruf. Es wurden keine neuen Projekte mehr ausgeführt, die bestehenden Bauten wurden nicht mehr unterhalten und verlotterten, viele wurden sogar abgebrochen.
Bei ihrem langen Studienaufenhalt in Moskau stiess die Filmerin Isa Willinger immer wieder auf vereinzelte Zeugen aus dieser revolutionären Zeit. Fasziniert will sie mehr über die Geschichte und die heutige Bedeutung dieser Gebäude erfahren.
Bei ihren Nachforschungen trifft sie auf die unterschiedlichsten Leute, die in verschiedensten Beziehungen zu den alten Bauten stehen. Die einen bewohnen schon seit Jahrzehnten eine Wohnung, schimpfen aber unablässig über die Architekten, die nie an die BewohnerInnen gedacht hätten, andere setzen sich in einem nervenaufreibendem Sisyphus-Kampf gegen die Bürokratie für den Erhalt im originalen Zustand ein, während nebenan die Neubauten immer näher rücken und der Abbruch droht. Ein Architekt arbeitet mit nie erlahmender Begeisterung an einer umfassenden Renovation eines Studentenheimes. Bei den Behörden ist jedoch keineswegs klar, ob die Bauzeugen geschützt und erhalten werden sollten. Junge kreative Leute leben gleichzeitig in den maroden Wohnungen, machen sie mit minimalen Mitteln bewohnbar, arbeiten an Kunstprojekten, durchaus mit Bezug auf die Geschichte der Bauten und die Ideen der Revolution.

Isa Willingers atmosphärischer Film kommt Menschen und Bauten sehr nahe, gibt uns einen tiefen und feinfühligen Einblick in das komplizierte Leben im heutigen Moskau. Mittels historischer Filmaufnahmen und Propagandadokumenten zeigt sie auch die gesellschaftliche Situation von damals. Durch diesen weiten Horizont ist der Film viel mehr als eine reine Architekturdokumentation.

Isa Willinger ist anwesend