Filmbeschrieb

Almost there

von Jacqueline Zünd
Montag
08
Januar
2018
Kino Gotthard, Zug
um 20.00 Uhr
Der Online-Ticketverkauf wird demnächst eröffnet.

Im Herbst des Lebens und insbesondere nach der Pensionierung steht man(n) vor schwierigen Fragen: Was mache ich jetzt? Wie und wo finde ich neue Lebensinhal-
te? Gibt es ein Mittel gegen Einsamkeit?
Jacqueline Zünd begleitet drei Männer bei ihrer Suche nach individuellen Antworten. Dabei schafft die Regisseurin das Kunststück, grosse Nähe herzustellen ohne je die Grenze zur Intimität zu überschreiten.

Bob aus Kalifornien räumt seine Wohnung und reist in einem Wohnmobil scheinbar ziellos ins Nirgendwo. Steve hat genug von maroden britischen Seebädern und wird als Drag-Queen und Stand-up- comedian an der sonnigen Costa Blanca
sesshaft. Und der Japaner Yamada, der «mit seiner Firma verheiratet war», holt als Vorleser von Kindergeschichten nach,
was er bei den eigenen Kindern verpasst hat. Drei Männer, drei Kontinente, drei Lösungen. Gemeinsam ist ihnen, dass sie
zu sich selber und zu neuer Würde finden.

«Almost there» überzeugt als filmisches Juwel auf allen Ebenen. Das gilt für die Kamera mit ergreifend schönen
Bildern, die schon fast symbolhaft für die Gegenwart der Protagonisten stehen. Es gilt für die subtilen Übergänge zwischen einzelnen Filmsequenzen, bei denen man sich als Zuschauer schon mal fragt, ob man wirklich gesehen hat was man zu sehen glaubte. Und es gilt für die karge Prägnanz
der eingestreuten Sätze von Sibylle Berg zum Thema des Alterns ebenso wie für die tagträumerische Musik.
So berührt dieser unaufgeregte, leicht melancholische Film ab der ersten Einstellung mit magischer Eindringlichkeit und entlässt das Publikum zum Schluss in der tröstlichen Gewissheit, dass das Alter die Chance für neues (Er-)Leben ist. Das macht Mut.

CH 2016

Non-Ficton, 83 Min., color, DCP
OV E, J/d, f

Buch/Regie:

Jacqueline Zünd
Kamera:

Nikolai Von Graevenitz
Bildschnitt:

Gion-Reto Killias
Ton:
Andreas Prescher, Marco Teufen, Hirohisa Ota
Texte im Film:
Sibylle Berg
Musik:

Max Avery Lichtenstein
Mit:
Robert Pearson, Steve Phillips, Genji Yamada

Infos zum Filmabend

Jacqueline Zünd ist anwesend