Filmbeschrieb

Refugiado

von Diego Lerman
Montag
11
Mai
2015
Kino Gotthard, Zug
um 20.00 Uhr
Der Online-Ticketverkauf wird demnächst eröffnet.

Von der Schule nachhause kommend, findet der achtjährige Matias seine Mutter Laura verletzt in der Wohnung liegend. Einmal mehr ist die schwangere Laura von ihrem Mann schwer verprügelt worden. In Panik verlassen die beiden die Wohnung und suchen nach einem Ort, an dem sie sich sicher fühlen können – unerreichbar für den Mann und Vater.

So werden Mutter und Sohn zu Flüchtlingen in der eigenen Stadt, in Buenos Aires, doch der Ort ist austauschbar. Häusliche Gewalt gibt es überall, und was die beiden erleben, spielt sich täglich auch mitten unter uns ab. Obschon dies in erschreckendem Ausmass geschieht, wird das Thema weitgehend tabuisiert.

Regisseur Diego Lerman erzählt von der Gewalt, ohne diese zu zeigen. Refugiado mutet uns keine Prügelszenen zu, der Film beschränkt sich darauf, die Folgen der Gewalt abzubilden. Die Absenz des Mannes macht einen Teil der Kraft dieses Filmes aus, der uns nach innen blicken lässt, indem er aufs Ablenkende an der Oberfläche verzichtet.

Diego Lerman wählt den unschuldigen Blick des aufgeweckten Buben, der wahrnimmt, aber nicht wirklich einordnen kann. Entstanden ist ein eigentlicher Krimi, der mit seiner dichten Inszenierung die schiere Ausweglosigkeit fühlbar macht.

93 Minuten, DCP, color
Sprache: S/d

Regisseur:

Diego Lerman
Drehbuch:
Diego Lerman, María Meira
Montage:

Alejandro Brodersohn, Diego Lerman
Musik:

José Villalobos
Kamera:
Wojtek Staron
Ton:
Leandro de Loredo
Ausstattung:
Micaela Saiegh, Sabrina Campos
Kostüme:

Sandra Fink
Produktion:

Campo Cine S.R.L.
Cast:

Maria Lubos (Die Grossmutter)
Valentina García Guerrero (Das Mädchen)
Julieta Díaz (Mutter)
Sebastián Molinaro (Sohn)

Infos zum Filmabend

Anschliessend an den Film ein Gespräch mit Pia Vogel von «Herberge für Frauen» und Urs Zehnder von «Männer Beratung Gewalt»