Filmbeschrieb

Reisender Krieger - Directors Cut

von Christian Schocher
Montag
13
September
2010
Kino Gotthard, Zug
um 20.00 Uhr
Der Online-Ticketverkauf wird demnächst eröffnet.

Christian Schochers 1979 entstandenes Roadmovie «Reisender Krieger» ist direkt in der Schweizer Realität verortet. Als der Film vor 28 Jahren in die Kinos kam, war er 200 Minuten lang. Nun hat Christan Schocher einen 50 Minuten kürzeren Director´s Cut erstellt und kommt damit seiner ursprünglichen Wunschvorstellung näher als in der langen Version von 1981.

Eine Woche lang begleitet der Engadiner den Parfümvertreter Krieger - Vornamen bekommt der Protagonist keinen - auf seiner Tour durch die winterlich graue, kalte und verregnete Schweiz. In die Tradition von Homers «Odyssee» stellt Schocher seinen Film mit dem einleitenden Insert «Nenne, oh Muse, den Mann mir» und diesem Anspruch wird «Reisender Krieger» auch gerecht. In Schwarzweiß mit 16mm Kamera on the Road und ohne künstliches Licht gedreht, verdichten sich die Begegnungen mit einem Kollegen, einer Friseurin oder einer Bergbauerntochter und die tristen Betonklötze, Autobahnen und Stadtbilder zu einem Stimmungsbild der Schweiz der späten 70er Jahre.

Schocher presst keine Geschichte hinein, sondern er fängt ganz einfach im Stile von Wim Wenders «Alice in den Städten» oder «Im Lauf der Zeit» Realität ein. - Aufregender ist das als alle erfundenen Geschichten und im Vergleich zu harmlosen Unterhaltungsfilmen wie «Das Geheimnis von Murk» werden dabei auch die Entwicklung des Schweizer Films vom sozialrelevanten persönlichen Autorenfilm zum gefälligen kantenlosen Unterhaltungsfilm und damit auch wieder die gesellschaftliche Entwicklung sichtbar.
(Walter Gasperi)

s/w, 35 mm, 142 min.

Regie:
Christian Schocher
Kamera:
Clemens Klopfenstein
Ton:

Hugo Sigrist
Schnitt:
Christian Schocher, Franz Rickenbach
DarstellerInnen:
Willy Ziegler, Barbla Bischoff, Marianne Huber, Heinz Lüdi, Max Ramp, Jürgen Zöller

Infos zum Filmabend

Christian Schocher ist anwesend