Filmbeschrieb

Ken Bugul – Personne n'en veut

von Silvia Voser
Montag
07
November
2016
Kino Gotthard, Zug
um 20.00 Uhr
Der Film wurde bereits gezeigt – keine Tickets mehr erhältlich.

Als Ken Bugul 1947 unter ihrem bürgerlichen Namen Mariétou Mbaye zur Welt kam, war ihr Heimatland Senegal noch eine französische Kolonie. In der Schule wurde ihr beigebracht, dass sie von den Galliern abstamme. In diesem Glauben wuchs sie auf, doch die Zukunft lehrte sie eine andere Wahrheit.

«Niemand will sie», so die Bedeutung ihres Künstler-Pseudonyms in ihrer Muttersprache Wolof. Eine Aussage, die sich wie ein roter Faden durch Ken Buguls Leben zieht: Im Alter von fünf Jahren wird sie von ihrer Mutter verlassen und wächst bei ihrer Schwester auf. Ihr Vater, zu diesem Zeitpunkt 85jährig, sitzt ganztags betend unter dem Baobabbaum. Als junge Frau will sie das Land ihrer vermeintlichen Vorfahren kennenlernen und zieht studienhalber nach Belgien. Doch auch dort fühlt sie sich nicht angenommen, denn «Ich identifizierte mich mit ihnen, sie aber identifizierten sich nicht mit mir.»

Als sie dies in ihrem Aufsehen erregenden ersten Buch «Die Nacht des Baobab» schreibt, lebt sie bereits wieder im Senegal. Schwierige Jahre, die sie unter Bettlern und Prostituierten in Dakar verbringt, dann wieder in fremden Ländern, immer auf der Suche nach Heimat und Freiheit. Schliesslich die vielleicht befreiende Erkenntnis, dass es keinen Ort gibt, an dem sie sich wirklich zuhause fühlt. Ein bisschen sesshaft ist Ken Bugul dennoch geworden, sie lebt heute als Kunsthändlerin im westafrikanischen Benin.

In Silvia Vosers eindringlichem Filmporträt lernen wir eine starke Persönlichkeit kennen, welche die Illusion verloren, sich selber aber gefunden hat. Ken Bugul weiss was es heisst, als schwarze Frau unter (!) Weissen zu leben. Diese Erfahrung teilt sie mit Millionen afrikanischen Frauen, die um ihre Rechte und insbesondere ihr Recht auf Anerkennung als vollwertiger Teil der Gesellschaft ringen. Ihnen will die Schriftstellerin Mut machen, oder wie sie in einem ihrer Bücher schreibt: «Man muss sich trauen, ‹ich› zu sagen. Freiheit bedeutet, den Mut zu haben, anders zu sein.»

CH/F 2013, Dokumentarfilm 62 Minuten, OV/d

Regie:
Silvia Voser
Kamera:

Felix von Muralt
Schnitt:

Souleymane K. Seck
Ton:

Arès Honvoh, Tom Weber
Off-Stimme:

Margot D. Marguerite

Infos zum Filmabend

Ken Bugul und Silvia Voser sind anwesend.